deutsch: “Was immer du tust, tue es gut und bedenke das Ende”
glaubt mir - ich habe nur an das Ende gedacht.
Mehr als 1,5 Jahre habe ich mich nun mit Latein gequält beschäftigt. 3 Semester lang ging ein Semesterbegleitender Unikurs, den ich im 1. Semester regelmäßig und in den kommenden Semestern eher unregelmäßig besucht habe. Das beste was ich aus dem Kurs mitgenommen habe war Carla, weniger Latein, dafür eine gute Freundin. 12 Wochen habe ich in Heidelberg verbracht. Die waren sehr intensiv und das ein oder andere mal hab ich darüber auch hier ziemlich geflucht. Aber ich kann sagen, dass ich dort mein wenn auch allgemein wohl eher geringes Hauptwissen her habe. [Und an alle, die hier täglich über Suchmaschinen und dem Suchbegriff Latein herkommen (ja, es sind einige), lasst euch gesagt sein - geht nach Heidelberg!!]
Ich habe Geld investiert. Einiges an Geld. Ich bin allein 120 Mal nach Heidelberg gefahren. Auch die Kurse waren natülich nicht umsonst - knapp 600 Euro habe ich inklusive Materialien bezahlt (was für 12 Wochen verhältnismäßig dann doch geschenkt ist!!!) Dann kamen noch weitere Bücher dazu, von denen die meisten letztendlich ungelesen und ungebraucht geblieben sind. Ein ganzer Stapel ist letzendlich zusammengekommen:

Dieser Stapel befindet sich mittlerweile in einem Keller in der Pfalz. Die letzten Lateinischen Reste sind mir hier in WÜ noch begegnet und werden dann im Juni mit nach Hause genommen und ordentlich in den Ordner im Keller sortiert.
Es ist also geschafft. In knapp 12 Stunden wird mein Latinum schon eine Woche alt. Hart wars. Oft hab ich gedacht, dass ich das nicht schaffe. Schon während der Lateinkurse. Ich erinnere mich noch sehr gut an die 3. Woche des Kurses im März. Ich hab tagelang geheult und wollte aufgeben. Kein Erfolgserlebnis, alles lief schief und nichts wollte funktionieren.
Dann kam kurz nach Ende des Kurses die Nachricht, dass man kein Latinum sondern nur noch gesicherte Lateinkenntnisse braucht. Das bedeutet (so hab ichs verstanden) weniger Stoff, weniger intensiv, weniger Wörter in der Prüfung (120 statt 180) und einfacher eben. Das Gesetz gibts wohl schon etwas länger, nur ich habs eben vorher nicht gekannt (woher auch??). Das war natürlich ein super Motivationsschub (haha!) es dann trotzdem mit dem Latinum zu versuchen. Gerne hätte ich mich für die Prüfung abgemeldet. Oder umgemeldet, sodass ich nicht Latinum sondern nur gesicherte Kenntnisse schreiben muss. Ging nicht. Leider. Dann dachte ich, dass ich ja immerhin nichts zu verlieren habe… wird das nichts mit dem Latinum, dann wärs nicht so schlimm und ich würde im Juni die gesicherten Kenntnisse versuchen machen.
Deswegen konnte ich auch ganz gut damit leben, als ich am 30.04 aus der Prüfung kam und mir sicher war, dass das nichts war. Dann eben im Juni und jetzt erst mal Pause. Entspannen. Den Stoff nacharbeiten, denn ich wegen intensivem Lateinlernen in der Uni verpasst hatte. Die erste Hausarbeit beginnen. Abschalten….
… und dann kam die Mail. Super GAU! Die ganze Planung (Hausarbeit, Uni-Stoff nachholen, entspannen, abschalten…) musste von jetzt auf gleich geändert werden. 104 Seiten lateinische Literaturgeschichte mussten bearbeitet und vor allem gelernt werden - in knapp 5 Tagen. Die Nächte wurden kürzer und der Magen nervöser. Irgendwann ist man kurz vorm durchdrehen. Retter in der Not war Carla (zur Erinnerung - das beste, was mir im Unilateinkurs passierte
), die dann in den letzten Tagen ein Mal am Tag mit mir ne Runde am Main entlang lief und sich mein ganzes Gejammere angehört hat. Auch sie hat die Lateinprüfung mit mir geschrieben, hat allerdings erst in 4 Wochen mündliche Prüfung. Sie hat mir auch mehrmals angeboten, dass sie mich zur mündlichen Prüfung begleitet, aber ich hab gesagt, dass ich das schon alleine auf die Reihe bekomme.
Naja, ich hab das alleine auf die Reihe bekommen… bis 6:15 Uhr morgens. Dann hab ich Carla angerufen und um physischen Beistand gebeten. Wahre Freunde kommen auch um kurz vor 7 morgens
Also sind wir gemeinsam zur Prüfung.
Ich sagte noch, dass ich eigentlich nur ne Chance habe, wenn ich gut übersetzten kann, denn die 104 Seiten Geschichte konnte ich nicht komplett lernen. Einen groben Überblick hatte ich, aber halt nur grob.
Tja, und dann hab ich den Text bekommen und konnte ihn nicht übersetzen. Also hab ich die einzelnen Wörter nachgeschlagen und die Fälle usw. dazu geschrieben. Nach 30 Minuten war die Vorbereitungszeit vorbei und ich musste in den Prüfungsraum. Tja und die erste Frage der Prüferin war: “Und, wie sind sie mit dem Text zurecht gekommen?” - “Gar nicht…”
Es war schleppend. Sehr schleppend. Wort für Wort haben wir die Satzteile übersetzt und am Ende nicht noch mal die Sätze wiederholt, einfach weiter gemacht. Natürlich konnte ich den Text dann auch nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Wenn man immer nur Wortfetzen übersetzt und ein Satz 50 Worte hat, dann kann man da auch nicht spontan nen Zusammenhang erkennen….
… naja, die letzten 5 Minuten gings dann um Geschichte, das konnte ich immerhin ganzz gut beantworten Nicht alles, aber das meiste eben. Tja und dann wars auch schon vorbei. Wieder raus aus dem Prüfungssaal, zurück zu Carla - warten. Tränen in den Augen, denn berauschend war das nicht.
Und dann wurde ich wieder reingerufen und gefragt, wie ich mich selbst einschätze - ich hab gesagt, dass ich denke, dass es nicht soo umwerfend gewesen war… das konnten die beiden Damen nur bejahen. Aber sie sagten auch, dass sie sich trotzdem entschieden hätten, dass ich bestanden habe. Zwar sehr, sehr knapp, aber sie hätten gesehen, dass ich mich damit befasst habe, auch wenn das mit dem Übersetzten weder schriftlich noch mündlich geklappt hat.
veni, vidi, vici.
Es ist vorbei, geschafft und ich kanns von nun an vergessen. Ich habe einen Schein, den ich nie wieder brauchen werde, nur, um mich zur Zwischenprüfung anzumelden. Auf Anhieb geschafft, was ich niemals erwartet hätte. Es ist vorbei, vorbei, vorbei - und das ist die Hauptsache.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich von meinem alten Deutschlehrer geträumt. Der war sehr, sehr streng, hatte hohes Niveau und ich konnte es ihm nie Recht machen. Naja, auf jeden Fall hab ich von ihm geträumt, davon, dass wir uns wieder trefen und ich ihm erzähle, dass ich das Latinum bestanden habe. Und er sagte: “Ja, Katharina, das ist so: Jemand, der das Latinum schafft, der schafft alles, was er sich im Leben vornimmt.” - Schön wäre es, wenn es so wäre. Auch wenn ich nicht wirklich an die Bedeutung dieses Traums glaube…
Finis coronat opus.
[Das Ende krönt das Werk]